Transdanubien-Westungarn

Transdanubien (West-, Mittel- und Südtransdanubien) umfasst die Weinanbaugebiete westlich der Donau und einschließlich des Balaton; insgesamt 15 Weinbaugebiete:

Somló

Mit seinen derzeit 617 Hektar Rebfläche ist Somló als eines der kleineren Weinbaugebiete bekannt. Es erstreckt sich nordwestlich vom Balaton. Seinen Namen erhielt das Gebiet vom gleichnamigen Berg. Diese Erhebung ist ein erloschener Vulkan und gilt als Wahzeichen Somlós. Die Weinbautradition wurde auch hier von den Römern eingeführt und erlebte schon im frühen Mittelalter eine erste Blüte. Besondere Berühmtheit erlangte der Schomlauer Wein im 18. und 19. Jahrhundert.
Von einigen königlichen Dynastien wie den Habsburgern ist überliefert, dass unbedingt ein „ordentliches Glas“ Schomlauer Wein zur Hochzeitsnacht getrunken werden muss. Man glaubte fest daran, dass dadurch männliche Nachfahren garantiert wurden!
Auf den vulkanischen Böden wachsen vorwiegend Weißweinreben wie Furmint, Olasrizling, Chardonnay, Traminer, Lindenblättriger und Müller-Thurgau. Die autochthonen Rebsorten Juhfark (Lämmerschwanz) und Sárfehér (Schlammweiße) gelten als regionale Spezialitäten, die sehr körperreiche Weißweine mit guter Säurestruktur und interessanter Fruchtaromatik hervorbringen.

Mór

Das kleinere Weinanbaugebiet liegt im Mórer Graben nördlich vom Balaton. Die Weingeschichte ist identisch mit der der Region Somló. Nach der türkischen Herrschaft waren hier beinahe alle Weinberge vernichtet und wurden Ende des 17. Jahrhunderts durch bayrische Auswanderer und Mönche wieder angelegt. Die Kapuzinermönche brachten zu dieser Zeit vermutlich die Rebsorte Ezerjó mit, die heute fast nur noch in Ungarn zu finden ist. Schon damals kultivierten die Weinbauern vorwiegend Weißweinreben. Neben Ezerjó sind Lindenblättriger, Mädchentraube, Traminer, Chardonnay und etwas Sauvignon blanc sowie Muskat-Ottonel derzeit im Anbau.
Das Klima ist sehr ausgewogen, und das Vertésgebirge schützt die Reben vor kalten Winden. Die Reben nehmen die Mineralien von den sandigen Lößböden, die sehr quarzhaltig sind, auf und ergeben sehr mineralische Weißweine.

Balatonfüred-Csopak, Badacsony und Balatonfelvideki (Nord-Balaton)

Die Halbinsel von Tihany bildet quasi den Mittelpunkt des Gebietes Balatonfüred-Csopak. Charakteristisch ist die hügelige Landschaft, in deren Tälern und Hängen die Reben vom Wind geschützt wachsen. Die Böden variieren zwischen Schiefer, Vulkangestein, Kalk und Sandstein. An einigen Stellen typisch ist die rötliche Färbung der Böden, die hier einen hohen Gehalt von Eisenoxid aufweisen. Günstig für den Rebbau ist das ausgewogene Klima durch den Balaton mit warmen, nicht zu heißen Sommern und milden Wintern.
Die Römer pflanzten früh die ersten Reben. Ausgrabungen belegen den Weinbau seit Beginn des 2. Jahrhunderts. Wie am südlichen Ufer machten sich schwäbische Auswanderer nach der Türkenherrschaft um den Weinbau verdient.
Der Name des Weinbaugebietes Balatonfüred-Csopak (benannt nach den beiden Hauptorten Balatonfüred und Csopak) ist noch jung, das Gebiet existiert unter diesem Begriff erst seit 1959. In dieser Region wachsen hauptsächlich Weißweinreben. Die am meisten angebauten sind Olaszrizling, Müller-Thurgau, Furmint, Muskat-Ottonel, Chardonnay und Sauvignon blanc. Der Anbau von Rotweinreben konzentriert sich besonders um Tihany, wo Cabernet franc, Merlot und Kékfrankos dichte Rotweine erbringen. Derzeit erlebt der Cabernet franc vom Balaton unter Weinkennern eine wahre Renaissance.

Badacsony

Am südwestlichen Ufer des Balatons liegt dieses historische Weißweingebiet. Weit sichtbar ist der 438 Meter hohe Hügel des Berges Badacsony, der diesem Gebiet seinen Namen gab. An den südlichen und südwestlichen Hängen des Berges begünstigt ein besonderes Kleinklima das Wachstum der Reben. Das Klima wird bestimmt durch eine recht hohe Luftfeuchtigkeit, milde Winter und ausgewogene mäßig heiße Sommer. Der Boden ist zum Teil vulkanischen Ursprungs; daraus resultiert sein Anteil an Basalt. Sand und Lehm komplettieren die Vielfalt.

Auch hier kann die Weinbautradition auf 2000 Jahre zurückblicken. Nach den Kelten führten die Römer den Weinbau weiter und pflanzten viele Reben. Am Fuße des Badacsony verlief ihre „Heerstraße“ zur antiken römischen Stadt „Aquincum“ – genau hier befindet sich Budapest. Wie das heutige Budapest lag Aquincum auf beiden Seiten der Donau. Der Fluss stellte außerdem eine Außengrenze des damaligen römischen Reiches dar. Reste dieser Stadt sind noch in den nördlichen Vororten Budapests vorhanden.
Die Geschichte verlief parallel wie in den anderen Regionen rund um den Balaton. Zu erwähnen ist die Produktion von Wermutwein; der Wermut aus Badacsony war besonders im 18. und 19. Jahrhundert sehr bekannt und beliebt. Wermut wird heute nur noch vereinzelt erzeugt. Folgende Rebsorten sind die am meisten angebauten: Kéknyelü, Olaszrizling, Szürkebarát, Muskat Ottonel, Riesling, Irsai Olivér und etwas Zeus.

Balatonfelvideki um Balatonmellék

Balatonfelvideki um Balatonmellék ist besser unter dem Namen Nordbalaton oder Plattenseeregion Nord bekannt. Dieses Gebiet liegt etwas östlich hinter Badacsony und ist recht flach. Da es sich nicht in direkter Lage am Balaton befindet, ist der Einfluss des Sees fast unbedeutend. Das Klima ist im Vergleich zu den Gebieten direkt am See etwas rauer; es gibt größere Temperaturschwankungen.
Die Böden sind sehr unterschiedlich. Man findet Löß, Sandstein, Lehm, Mergel, Kalkstein und Basalt-Tuffstein vor. Auch gibt es Erstkulturen auf Böden, die zuvor mit Wald bestockt waren. Hier gedeihen die weißen Reben Olaszrizling, Szürkebarát, Chardonnay, Furmint, Traminer, Riesling, Sauvignon blanc und Weißburgunder. Mittlerweile ist auch etwas Spätburgunder und Kadarka im Anbau sowie Pinot blanc.

Sopron

Sopron, zu Deutsch Ödenburg, zählt zu den ältesten ungarischen Weinbaugebieten. Der Weinbau lässt sich bis in die Zeit der Kelten nachweisen. Im Jahre 1277 erreichte Sopron den Status einer freien königlichen Stadt, was unter anderem bedeutete, dass die Soproner ihre Weine zollfrei liefern konnten. Dieses Recht hatten alle Bürger der Stadt. Bereits im Mittelalter waren die Weine weit über die Landesgrenzen hinaus bis nach Österreich und Schlesien bekannt. Viele deutschsprachige Bauern ließen sich hier nieder. Im 18. Jahrhundert betrugen die Steuereinnahmen der Stadt Sopron aus Wein 25 Prozent. Diese Einnahmen blieben bis zur Reblausplage Ende des 19. Jahrhunderts relativ konstant.

Obwohl Sopron zu nördlichen Transdanubien gehört, unterscheidet es sich vollständig in seiner Charakteristik. Es verläuft entlang der östlichen österreichischen Grenze des Burgenlandes zwischen dem Neusiedler See und dem Soproner Bergland und wird im Südosten vom Lajtagebirge und im Nordwesten von den Ausläufern der Alpen umschlossen. Bis zum Jahre 1921 gehörte das Burgenland (heute Österreich) zum Königreich Ungarn.

Während das Burgenland vor allem für seine Weißweine und Ausbruchweine bekannt ist, werden in Sopron heute hauptsächlich Rotweine der Rebsorten Kékfrankos, Cabernet franc, Zweigelt, Cabernet Sauvignon, Merlot, Spätburgunder und Syrah gekeltert. Die Weißweine aus Grünem Veltliner, Sauvignon blanc, Olaszrizling, Leányka und Chardonnay stellen gerade einmal rund 30 Prozent der erzeugten Weine dar.

Das Klima ist hier wesentlich kühler und niederschlagsreicher als in anderen ungarischen Gebieten. So ist Sopron die kühlste und niederschlagsreichste Weingegend. Vorteilhaft sind die milden Winter und die lang dauernden Spätsommer und Herbste. Die Reben reifen wesentlich später, was sich auf viele Rebsorten günstig auswirkt. Die Rotweine präsentieren sich zwar kraftvoll, wirken aber aufgrund ihres höheren Säuregehaltes zugleich sehr frisch und fruchtig. Einige Weingüter erzeugen sehr langlebige Rotweine vor allem aus Kékfrankos. Die Soproner bezeichnen Sopron selbst als „Hauptstadt des Blaufränkisch“.
Die Reben gedeihen in diesem Gebiet auf Böden aus Löß, Lehm, Kalk und Sandstein. Die oberste Schicht ist oft mit Waldboden bedeckt. Im Gegensatz zum Neusiedler See werden hier keine Ausbruchweine erzeugt.

Sopron – die Stadt der Trauben und der Weine, aber auch der Bohnen und der Biere
Kulinarisch gilt Sopron zu Recht als eine Hochburg Ungarns. Der Genießer kommt hier ganz und gar auf seine Kosten. Charakteristische Spezialitäten basieren auf der Grundlage von Bohnen. Das ist darauf zurückzuführen, dass die damaligen Weinbauern, die sich selbst auch als Bohnenzüchter bezeichneten, zwischen den Reben Bohnen anpflanzten. Die deftigen Gerichte passen hervorragend zu den markanten Rotweinen der Region. Mag Österreich auch als Blaufränkisch-Land gelten, so ist Sopron Hauptstadt des Blaufränkisch – dieser Ausspruch ist auf einigen Weinkarten nachzulesen.
Zu erwähnen sei auch hier Sopron als Stadt der Biere. Das hier gebraute Bier wird von der Qualität und Geschmack auch den erfahrenen deutschen Gaumen begeistern.

Ászar-Nesmély

Das Weinbaugebiet Ászar-Neszmély reicht dicht an die Städte Mór und Györ und ist relativ unbekannt. Die meisten Weine werden tatsächlich im Gebiet konsumiert. Die Geschichte und die Rebsorten sind identisch mit dem Gebiet Mór. Auch hier werden insbesondere frische, fruchtige Weißweine erzeugt. Die Hauptrebsorten sind Olaszrizling, Leányka, Királyleányka, Ezerjó, Muskat Ottonel, Grüner Veltliner, Chardonnay und Sauvignon blanc. Rotweine werden nur sehr wenig aus Kadarka, Blaufränkisch und Oporto gekeltert. Eine regionale Spezialität ist Wein aus der Rebsorte Cserszeger Gewürzter, ein recht kraftvoller Weißwein mit prägnanter Säure und Aromen, die an weiße Blüten und frische Kräuter erinnern.
Das Klima im Gebiet ist im Allgemeinen recht ausgeglichen, besonders in Flussnähe zur Donau. Abseits des Flusses variiert das Klima; in enger Nähe zum Gebirge gibt es zum Teil sehr unterschiedliche Kleinklimate. Der Boden strukturiert sich aus Sand, Mergel und Löß mit Kalkunterlagen. Das Landschaftsbild wird durch die hügeligen Ausläufer des Mittelgebirges geprägt.

Etyek-Budai

Der Name lässt schon auf die Nähe zur ungarischen Hauptstadt Budapest schließen. Etyek-Budai befindet sich westlich Budapests und ist mit das jüngste Weinbaugebiet Ungarns. Erst im Jahre 1991 wurde es als eigenständiges Weingebiet deklariert. Es umfasst heute eine Fläche von immerhin 1540 Hektar. Bis zum 18. Jahrhundert wurde Rebbau nur in geringem Maße betrieben. Zu dieser Zeit kamen einige deutsche Auswanderer ins Land und ließen sich nieder. Sie gründeten einige deutsch-ungarische Ortschaften und betrieben Weinbau. Größere Anpflanzungen nach der Reblauskatastrophe gab es erst wieder in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts.
Aufgrund der kühleren Klimatik wachsen hier zum größten Teil weiße Rebsorten. Sie sind sehr säurebetont und eignen sich deswegen hervorragend als Sektgrundweine. Ende des 19. Jahrhunderts produzierte die Familie Törley – für die damalige Zeit – bedeutende Mengen Sekt aus Grundweinen um Etyek. In den letzten Jahren investierten einige größere Firmen in diese Region, um die Sektproduktion (wieder) anzukurbeln.
Die Reben Olaszrizling, Chardonnay, Grauburgunder, Silvaner, Leányka und Sauvignon blanc ergeben aber auch rassige Weißweine. Sie wachsen auf Böden von Löß, Lehm und Kalk.

Süd-Balaton, Balatonboglári – Dél Balaton

Am östlichen Ufer des Blatons erstreckt sich auf etwa 20 Kilometern Länge und 50 Kilometern Breite dieses vorwiegend flache Weinbaugebiet. Relativ wenige Reben stehen auf den leicht geneigten Hügeln. Die ersten Rebberge wurden von den Römern angelegt. Der Weinbau stagnierte wie anderswo unter der türkischen Besatzung. Durch Reblauskatastrophe und die beiden Weltkriege geriet der Weinbau in die Bedeutungslosigkeit und wurde eigentlich erst durch den Tourismus aus der Versenkung geholt. In dieser fast idyllischen Gegend reihen sich heute viele kleine Ortschaften aneinander, in denen der Wein eine große Rolle spielt. Vielen Weingütern ist eine Csárda, ein typisch ungarisches Wirtshaus, angegliedert und bieten neben ihren Weinen auch zünftige Speisen an.
Das Klima ist recht ausgeglichen. Die lehmhaltigen, sandigen Sedimentböden eignen sich bestens für den Anbau vorwiegend weißer Rebsorten. So fühlen sich Olaszrizling, Muskotály, Leányka und Királeányka, Tramini, Szürkebarat, Sauvignon blanc und etwas Semillon heimisch. Die bukettbetonten Rebsorten Muskotály und Tramini werden oft mit sehr deutlicher Restsüße ausgebaut. Bei den roten Sorten dominieren Merlot, Kékfrankos, Zweigelt, Pinot noir und Oportó. Oportó wird häufig als Roséwein gekeltert, beliebt mit feiner Restsüße.

Tolnai – Tolna

Das Gebiet Tolna ist eines der jüngsten Gebiete Ungarns und wurde als solches erst in 1998 definiert. Weinbau wurde, wie überall um den Balaton, schon zu Zeiten der Römer betrieben. Die türkische Belagerung brachte den Weinbau fast völlig zum Erliegen und vertrieb außerdem einen Großteil der Bevölkerung. Erst nach deren Vertreibung durch die Österreicher im Jahre 1696 erholte sich die Region langsam von diesem Schicksalsschlag. Siedler aus Schwaben wurden angeworben, um die Region zu beleben. Viele deutsche Gemeinden erinnern noch heute an diese Zeit.
Das Klima ist durch den Einfluss des Balatons gemäßigt. Auf den knapp 3.000 Hektar Rebfläche wachsen vor allem die weißen Sorten Olaszrizling, Fehérburgundi (Weißburgunder), Rizlingzilány und Chardonnay sowie etwas Rajnai Rizling (Rheinriesling). Rotweinreben sind deutlich in der Minderheit, man findet Kadarka und Kékfrankos (Blaufränkisch) vor.

Zalai – Zala

Das Weinbaugebiet Zala wurde auch erst im Jahr 1998 deklariert und die Geschichte ist dem Gebiet Tolna sehr ähnlich. Die Reben dieser hügeligen Landschaft wachsen auf sandig-lehmigen Böden mit etwas Lößanteil.
Mehr als 90 Prozent der Fläche ist mit Weißburgunder bestockt. Charakteristisch sind Olaszrizling, Rizlingszilvány, Zöld Veltelini, Kyráleányka und etwas Rajnai Rizling. Als regionale Spezialitäten zählen Zalagyöngye (Perle von Zala, die recht resistent gegen Peronospera ist) sowie die Czerszegi Füszeres (Hybrid zwischen Irsai Oliver und Rotem Traminer), die recht eigenwillige Tischweine hervorbringen.

Pécsi – Pécs

Das kleinste Gebiet der Region nahe der kroatischen Grenze – Pécs – ist nahezu unbekannt. Auf etwa 800 Hektar wachsen die Reben am Fuße des Mecsek-Gebirges auf Löß-, Kalk- und Lehmböden. In dieser warmen Region Ungarns werden hauptsächlich kräftige Weißweine der Rebsorten Olaszrizling, Chardonnay und Cifándli (Zierfandler) vinifiziert. Der Zweite Weltkrieg brachte die Weinproduktion fast gänzlich zum Erliegen.
Die Rebfläche schrumpfte weiter bis 1990 auf nur noch 300 Hektar. Erst in letzter Zeit wurde das Gebiet wiederbelebt. Dabei ist die Stadt Pécs dem Weinbau eng verbunden. Die Einwohner nennen sich selbst „Tüke“, was zu Deutsch Weinstock heißt. Das Gebiet hält für die Zukunft bestimmt noch Überraschungen bereit.

Szekszárd

Das Weinbaugebiet Szekszárd erstreckt sich westlich der Donau im Südosten Transdanubiens. Es unterteilt sich nochmals in das Szekszárder Bergland und in die Hügellandschaft im Westen, wo das Klima etwas kühler ist. Ansonsten ist das Klima durch sehr heiße Sommer und milde Winter geprägt. Ein leicht mediterraner Einfluss ist zu spüren. Die Böden bestehen hauptsächlich aus kalkhaltigem Löß; teilweise sind sie mit Tonschichten durchzogen.

Szekszárd zählt zu den ältesten Weinbaugebieten. Mit großer Wahrscheinlichkeit pflanzten die Kelten die ersten Reben. Nachgewiesen ist, dass sie eine Ortschaft namens Alisca, das heutige Szekszárd, gründeten. Die Römer förderten den Rebbau weiter. Interessant ist, dass die Weinberge nicht so stark unter der türkischen Besatzung zu leiden hatten wie in anderen ungarischen Gebieten und weiterhin Wein produziert worden ist. In einigen Quellen wird sogar behauptet, dass einige hochrangige türkische Würdenträger selbst Szekszárder Weinberge in ihrem Besitz hatten. Nach der Vertreibung der Türken durch den Sieg der Schlacht von Nagyharsány im Jahr 1687 konnte der Weinbau ausgedehnt werden. Auch deutsche Siedler ließen sich hier nieder.

Schon damals wurden mehr Rotweinreben angepflanzt. Weine aus den Rebsorten Kadarka und Kékfrankos erfreuten sich auch im Ausland wachsender Beliebtheit. Papst Pius IX. (1792-1878) und der Komponist Franz Liszt (1811-1888) schätzten die Weine Szekszárds sehr.
Nach der Reblausplage erholte sich der Weinbau langsam und erlebte durch die Weltkriege einen weiteren Rückschlag. Zu Zeiten des Sozialismus stand die Quantität vor der Qualität, und erst jetzt kann das Szekszárder Gebiet an seinen einstigen Ruhm anknüpfen. Aufgrund der vielen Familien, die mühsam ihre ehemals eigenen Parzellen wieder zurückkaufen und sich ihrer Tradition erinnern, werden uns diese Weine immer mehr positiv überraschen.

Schon jetzt entstehen sehr facettenreiche Rotweine mit hohem Alterungspotenzial. Neben Kadarka und Kékfrankos werden Kékoporto, Nagyburgundi, Blauer Zweigelt, Cabernet Sauvignon, Cabernet franc und Merlot angebaut. Der Anteil der Weißweinreben liegt nur bei etwa 10 Prozent. Übrigens ist Szekszárddie einzige Stadt Ungarns außerhalb Egers, die Bikavér – hier Szekszard Bikavér (Stierblut) – erzeugen darf. Das Szekszárder Stierblut ist eine Cuvée der Rebsorten Kékfranlos, Kadarka, Cabernet Sauvignon und Oporto.
1987 verlieh das Internationale Weinbauamt der Stadt den Titel „Internationale Stadt der Trauben du des Weines“. Diesen Titel dürfen unter anderem auch Villány, Sopron, Tokaj, Balatonboglár, Pécs und Csongraád sowie Eger und Hajós führen.

Villány

Villány ist das südlichste Weinanbaugebiet Ungarns nahe der kroatischen Grenze. Hier herrscht mediterranes Klima vor – die Winter sind mild und relativ kurz. Frühlingshafte Witterungsverhältnisse lassen die Weinreben früh austreiben und blühen. Anschließend folgen heiße und trockene Sommer.

Anfang des 18. Jahrhunderts kamen viele deutsche Familien in das Gebiet, die dem Ruf Maria Theresias folgten, das Land neu zu besiedeln. Wahrscheinlich brachten sie den Blauen Portugieser mit ins Land. Sie arbeiteten im Weinbau und gaben neue Impulse. Viele Weingüter tragen noch heute deutsche Namen, und Lagen wie Jammertal, Sterntal, Winterseite und Teufelsgraben sind ein weiterer Beleg für den Einfluss der Donauschwaben.

Im westlichen Europa wird Villányi gern als „Bordeaux des Ostens“ bezeichnet, was nicht unbedingt nur Zustimmung findet. Die typischen Rotweinreben Bordeaux´ finden hier auch beste Voraussetzungen für deren Anbau, doch wer die Weine genauer verkostet, erkennt das Terroir der Weine Villánys und ihre Einzigartigkeit.

Auf Löß-, Lehm- und mineralischen Kalkböden wachsen Kékopotó, Kékfrankos, Cabernet Sauvignon, Cabernet franc, Merlot, Pinot Noir und auch Syrah. Cabernet franc wird häufig reinrebsortig ausgebaut und unterscheidet sich vom Cabernet Sauvignon deutlich; die Weine wirken einerseits elegant, andererseits sind sie sehr würzig und von interessanter Kräuteraromatik geprägt. Die Syrah-Weine zeigen sich kraftvoll und samtig zugleich.

Weißweinreben werden ebenfalls nur zu ungefähr 10 % angebaut, Olasrizling, Hárslevelü, Muskotály, Tramini und Rizlingzilvani sind die wichtigsten, wobei die Weine der bukettbetonten Rebsorten Tramini und Muskotály besonders beeindrucken.